Sonntag, 25. Oktober 2009

AGA 17.8-21.8.2009

Mo, 17.8.09
Wir fahren wieder schießen. Ich darf auch. Früh morgens wieder die Waffe empfangen. Im Bus Rohrmündung immer nach unten. Ich schlafe. Schließlich kommen wir an, und müssen erst einmal warten. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass ich mein Gewehr abgebe und mit einem anderen schieße (ich werde in der AGA kein einziges Mal mit meinem Gewehr scharf schießen). Angeblich hat man nur die besten Gewehre rausgesucht, damit wir mit diesen schießen. Wir werden über die Schießbahn belehrt, wie man die Ohrstöpsel richtig ins Ohr einführt und bekommen die Übungen erklärt.
Dann ist es irgendwann soweit. „Nächstes Rennen vor!“ Ohrschutz rein – stille. Alles was ich höre kommt mir weit weg vor. Wir laufen um eine kleine Kurve, ein leichter Wind weht durch den Helm. Ich nehme das Knirschen im Sand war, meine Gedanken suchen nach Worten diesen ersten Gang zu beschreiben. Wir warten, „10 Schuss richtig übernommen!“, und schließlich muss nur noch einer vor mir schießen bevor ich dran bin.
Auf geht’s. Anschlag liegend aufgelegt. Ich lege mich also auf den Boden, lege das Gewehr auf den dafür vorgesehen Sandsack um das Zielen zu erleichtern und gehe in einen Probeanschlag. „5 Schuss Einzelfeuer, Feuererlaubnis.“ Erst 5 durchs optische Visier, dann durch das Reflexvisier (stellt euch einen Laserpointer vor – man guckt quasi durch ein Fernglas und hat einen roten Punkt in der Mitte – nur dass beim Reflexvisier kein Zoom vorhanden ist. Daher schaut man dort mit beiden Augen durch.
Ich lade also teil, fertig und entsichere. Ich atme tief ein… aus… ein… aus… ein… irgendwann halt ich in der Mitte des Atemzuges die Luft an und nehme das Ziel genau ins Visier. Während des Atmens habe ich den Druckpunkt gesucht (wie eine Art Kupplung beim Auto, wenn ich über den Druckpunkt komme bricht der Schuss). Schlussendlich glaube ich fertig zu sein. Und krümme ab. Der Schuss kommt unerwartet. Ich schließe aus Reflex meine Augen. „Gut, jetzt noch 4!“ Also alles noch einmal von vorne. Druckpunkt suchen, Luft anhalten, abkrümmen. Irgendwann habe ich dann alles verschossen, also geht’s auf nach vorne, zu den Zehnerringscheiben, Ergebniskontrolle. Ein kleiner Streukreis war gefragt, und ich liege gut im Toleranzbereich. Übung also bestanden. Es geht zurück zum Munschreiber, Ergebnis eintragen lassen. Dann zum Platz der Truppe, auf die nächste Runde warten.
Ich nehme den Ohrschutz raus, und werde von einem Geräuscheschwall überschwemmt. Die Kameraden die sich unterhalten, Vögel die sich unterhalten, Ausbilder die rufen und Schüsse. Binnen Sekunden jedoch gewöhne ich mich daran und bin froh wieder normal hören zu können, den Druck auf den Ohren los zu sein. Helm ab, Feldmütze auf – und schon geht es einem wieder gut.
Die nächste Übung bestehe ich auch beim ersten Mal, und so fahren wir dann als alle fertig sind wieder zurück, Waffenreinigen und dann ab in den Dienstschluss.
Mein erstes Schießen also. Und ich warte immer noch auf Worte um das Gefühl dabei zu beschreiben. Doch irgendwie bleibt bei diesem Konzentrationsakt keine Zeit Gefühle aufzubauen. Und bevor man Zeit bekommt ist auch schon wieder alles vorbei.
Wie es ist auf irgendetwas lebendiges zu schießen vermag ich nicht mir vorzustellen. Genauso wenig wie ich mir vorstellen kann jemanden mit einer Axt zu erschlagen.
Wobei das Gewehr mehr eine Weiche ist die ich umstelle um jemanden zu töten, während die Axt etwas aktiveres darstellt, das Schubsen eines Menschen vor einen Zug zB.
Wie dem auch sei, ich kann mir es nicht vorstellen, will es wahrscheinlich auch gar nicht – und etwas anderes kann ich dazu fast nicht sagen.
Auf Ringscheiben zu schießen jedenfalls hat mehr etwas von einem sportlichen Wettkampf, einem Wettschießen dem jegliche Skrupel fernbleiben. Und auch beim Schießen auf Klappfallscheiben, diesen herrlich toten Pappkameraden kommt mir kein „Oh mein Gott ich habe gerade getötet“-Gedanke.
All dies soll jedoch nicht heißen, dass ich gerne mal auf jemanden schießen will. Denn so schön diese Pappkameraden auch sind, wir halten immer noch eine Waffe in Händen, mit der man töten kann.
(Wenn zu diesem Thema noch fragen sind, gerne ab in die Comments, ich werde mich bemühen so gut es geht zu antworten.)

Di, 18.8.09
Wir haben den ganzen Tag Unterricht.

Mi, 19.8.09
Ich bin ZvT (Zugführer des Tages, Bindeglied zwischen Zug und Vorgesetzten). Allerdings geht es den Tag raus, und da ist meine Funktion dann ziemlich überflüssig. Wir erhalten unsere Wachpostenausbildung. Torposten, Funken und Streife. Später werden wir dann Streife laufen und in gespielte Situationen geraten. Natürlich alles mehr oder weniger an den Haaren herbeigezogene Extremfälle, aber nur so lernt man es ja. Der Endgegner besteht dann darin, dass sich 6 vermeintlich besoffene auf einem Parkplatz prügeln. Die Streife fordert Hilfe an, und der ganze Zug eilt zum Brandpunkt. Durch diese Überzahl liegen dann bald immer 4 Mann auf einem der 6, und wir bringen die Raufbolde mit den zuvor am Tage erlernten Griffen zur Wache, dem OvWa präsentieren.
Es ist dabei schon lange dunkel, und ich lande erst um 0:30 im Bett.

Do, 20.8.09
Irgendjemand kommt auf die Idee, 4:30 Wecken zu lassen. Danke für das Gespräch. Wir bekommen Unterricht der mehr einer Propaganda für die Luftwaffe gleicht, waschen Dienstautos und bekommen die Gruppenfotos die irgendwann einmal von uns gemacht wurden. Das Thermometer steigt auf 37°. Wir stehen trotzdem draußen, Sperrenausbildung. Wir also Handschuhe über Handschuhe angezogen und S-Draht verlegt + wieder eingerollt.

Fr, 21.8.09
Es steht mal wieder Sport auf dem Dienstplan: Wir sollen unser DSA ablegen. Ich komme genau einmal zum Weitsprung (4,20 Meter) – da fängt es tierisch an zu regnen. Geil! Auf dem Weg zurück vom Sportplatz zur Kompanie können wir fast noch unsere Schwimmfähigkeit feststellen, und unseren Augen hätten Scheibenwischer gut getan. Richtig geiles Wetter also, allerdings können wir so natürlich keinen Sport mehr machen.
Also gehen wir Duschen, treten an, und verziehen uns ins Wochenende.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

AGA 31.7-13.8.09

Die nächsten Wochen gibt es mehr oder minder so wie ich sie hier in Notizenform stehen habe, weil ich endlich wieder vom Druck des zu Ende bringens frei sein will um andere Sachen posten zu können; allerdings kann ich als PC nur eine Sache gleichzeitig, Folgeaufträge stehen also hinten an. (Oder die Wochen waren halt mal verdammt öde :P )

Fr, 31.7.09
Es gibt Unterricht, eine Portion miniMilfit und jemand vom DBWV bequatscht uns. Wochenende!

So, 2.8.09
Der Zug hat Verzug. Über 2 Stunden. Bedeutet über 7 Stunden sitzen, dösen und Langeweile pur. Rechzeitig ankommen gelingt trotzdem noch irgendwie.

Mo, 3.8.09
Ich bin beim Zahnarzt, mir meine Füllung wieder reinmachen lassen. Beziehungsweise eine neue. Ausbildung erfolgt in Beobachten & Melden, Entfernung bestimmen mit dem DF(=Doppelfernrohr) und Skizzen. Das DF liegt mir davon am meisten, Skizzen sind dagegen eher so lala.

Di, 4.8.09
Kompassausbildung. In der Theorie bin ich verdammt gut, nur in der Praxis haperts. Mittlerweile sollte ich’s aber auch alles umsetzen können ;)

Mi, 5.8.09
Waffen & Schießausbildung: Manövermunition. Platzpatronen im Volksmund. Man attestiert mir eine gute Atmung beim schießen, des Weiteren mein Herantasten an den Druckpunkt und den ganzen Kram.
Mannschaftssport! Zug wird geteilt, eine Hälfte Fußball, die anderen Volleyball. Ich trete ein wenig vor einen Ball, und mein Team verliert trotzdem. Verrückt.
Essen: Argh, was zur? Die Sauce geht mal gar nicht. Ich darbe mal wieder, kein Mittagessen für mich. Dann wieder Ausbildung G36 / P8. Irgendwie ist mein Knie kaputt.

Do, 6.8.09
Ich melde mich Neukrank. Ich wart ewig beim Arzt. Man erzählt mir ich habe ein Reizknie. Ich schließe mich also den Krüppeln an. Ergo stehe ich beim Essen gehen ganz hinten, und empfange als einer der letzten. Wenn es denn etwas gibt! Ich schaffe es mal wieder knapp am letzten Essen vorbeizuschlittern und muss warten bis frisches da ist. Für das „Frische“ habe ich dann 3 Minuten. Suuuper.
Bevor es dann ans putzen geht entfliehe ich der Soldatenwelt: Ein Marienkäfer hat sich auf meine Hand gesetzt und putzt sich. Ob dieses Ereignisses fasziniert bin ich zu keiner Regung fähig und schweife ab in eine träumerische, phantasievolle Welt. Aber auch das geht vorbei.

Fr, 7.8.09
Es geht zum ersten scharfen Schießen. Ich empfange keine Waffe. Ich stehe an der Schranke zum Schießplatz. Den ganzen Vormittag. Lecko Mio, so an sich kein Problem. Aber ich stehe da nicht alleine. Einer der wenigen die ich verabscheue steht auch da. Ein denkbar gelungener Vormittag.
Nach Dienstschluss laufe ich in Berlin zum O2World-Gebäude und kaufe mir einen Surftstick + Flatrate. Hätte ich schon viel früher tun sollen. Obwohl ich alle Züge wie geplant bekomme lande ich trotzdem später als sonst zu Hause.

Mo, 10.8.09
ABC Ausbildung. Erst die Theorie, dann anziehen vom Overgament + die einzelnen BAS-Stufen und Autoinjektoren. Dabei werde Witze gerissen und wir sind gut drauf. Eventuell liegt es daran, dass gemunkelt wird der Freitag sei frei. Ein guter Start in die Woche. Die Verdachtsmomente werden stärker als wir einen Unterricht vorziehen, der eigentlich für den Freitag angesetzt war.
Schlafen. Nichts da! In der Nacht brüllt auf einmal irgendein Held „Alaaarm!“ und binnen 2 Minuten 36 Sekunden ist die Kompanie leer – und die Nacht im Eimer.

Di, 11.8.09
Die anderen haben Sport – ich bin immer noch Krüppel, darf also nicht und sitze auf der Stube rum. Boring as hell.

Mi, 12.8.09
Wir haben viel Unterricht, ein wenig Sport (ich kann wieder laufen) und lecker Essen: PomCur + Cordon Bleu. Akzeptabel. Nach dem putzen ist Mannschaftsparty angesagt! Dort tanzen 2 Damen auf den Tischen, aber alle Fotos die ich mache werden nichts, es ist einfach zu dunkel. Bevor es aber losgeht sind die Frauen wieder weg, und wir sind schon kurz vorm Zapfenstreich. Ab ins Bett also.

Do, 13.8.09
Weil Freitag frei Donnerstag = Freitag = rumpimmeln und abhauen.

Sonntag, 18. Oktober 2009

AGA 19.7-30.7.09

Der Freitag ist mir irgendwie abhanden gekommen. Einen hatten wir mal frei, aber der war es glaube ich nicht. Also:

So, 19.7.09
Zug tuckern, Manschaftsheim, Koppel justieren. Erkenntnis des Tages: Gegen Schwindelgefühle hilft ein Wahrsager.

Mo, 20.7.09
Wecken erst um 5:30! Yeah. Geländetag. Thema: Tarnen & Täuschen. Wir holzen also durch den Wald und verwandeln unseren Helm in einen Busch sondergleichen. Ich scheitere kläglich, Helmtarnung wird für alle Zeit nicht mein Ding sein. Essen gibt es natürlich aus der Dose, muss allerdings erst einmal von einem anderen Platz geholt, nur um dann mit vollem Trinkbecher die Hälfte auf dem Weg vom Essensempfang zurück zum Platz der Truppe zwecks Wegmarkierung und weil man einfach der Natur was Gutes tun will verschüttet. So gestärkt heißt es irgendwann: Fotoshoot! Gruppenfotos, die Ausbilder machen eins, und ein Foto im Zugrahmen gibt es auch. Und weil die Erinnerung so schön sein wird, kaufe ich alle um nachher darauf auszusehen als wäre ich ein physisches sowie psychisches Wrack, ole!
Anschließend geht es mit Bewegungsarten im Gelände weiter: Gleiten, Kriechen, alles was das Baby im Soldaten begehrt. Kriechen kann man wohl auch Krabbeln nennen, gleiten sieht man in der Form vor allem bei Schlangen und Besoffenen. (Wer schon einmal eine Schlange abgefüllt hat weiß wie es in etwas aussieht). Ich stelle fest: Ich hasse Gleiten noch mehr als meine Helmtarnung. Jede Strecke kommt einem ewig vor, immer wenn man den Fehler macht aufzublicken wird man erstens erschossen und sieht zweitens immer noch gefühlt dieselbe Strecke die es zurückzulegen gilt wir vor 5 Metern. Hinzu zu diesem Perpetuum Mobile kommt der Boden. Und all jenes, was sich gerade dazu berufen fühlt dort rumzuvegetieren. Allen voran verdammt heimtückische Gräser, nur darauf wartend dir im entscheidenden Moment so in die Nase zu springen, dass du sie mit 150km/h wieder ausniesen musst – wodurch die Geräuschtarnung mal total für’n Arsch ist und der Arsch an sich schon so gut wie überm Kamin vom Feind hängt. Und wenn der ‚ne Vase mit Gräsern auf dem Kamin stehen über dem man hängt macht das die Sache nicht besser!
Des Weiteren schaufelt man sich ganze Erdwälle sonst wohin. Aber vor allem natürlich in den Lauf des Gewehres, sodass man im Gefecht eine bessere Drecksschleuder als ein altes Auto ist welches mal gepimped werden muss.
Damit nicht genug, sollte man das Gefecht überstehen muss man darauf folgend einen Bergungstrupp engagieren um die Gesteinsbrocken beim Putzen aus dem Gewehr zu bekommen.
Während mal also ein Niesen unterdrückt und panische den Lauf oben hält, den Sand ignoriert und von Schnecken ob der Geschwindigkeit belächelt wird bemerkt man auf einmal die Koppel. Einer der Erzfeinde. Das Mistviech verrutscht auf einmal, um „auch mal andere Perspektiven zu bemühen“ und hängt sonst wo. Stellt euch also eine betrunkene Schlange vor, die einen hochroten Kopf vor Verzweiflung, Wut und Trauer hat, die mit einer Art Handtasche(=ABC), die irgendwie komisch dranhängt, und riesigen Kraftanstrengungen einen Wüstenhügel hochgleitet.
Ein Kommentar zur dabei natürlich jederzeit anwesenden Splitterschutzweste unterlasse ich an dieser Stelle.
Es gibt früh Dienstschluss, wir haben also einen langen Feierabend, den ich offensichtlich nicht dafür nutze für den anstehenden SanTest zu lernen, sondern dafür Sport mit Splitterschutz zu treiben (Liegestütz + SitUps), und um einem Kameraden die Grundzüge des Dice Stacking zu zeigen und beizubringen.

Di, 21.7.09
Der Spielplatz für Männer: Die Hindernisbahn! Macht viel Spaß, bis auf die Wand. Andere rennen einfach davor, die meisten kochen Spiegelei beim überqueren, ich bleibe aber zum Glück verschont. Man Munkelt die Wand sei nur 2 Meter noch was hoch, ein Kinderspiel also. Irgendwann hat es dann jeder geschafft, und die folgenden Hindernisse werden in Angriff genommen.
Leider verliert irgendein Held sein Messer, und nach dem Essen dürfen wir alle zurück es suchen…
Das Essen: Spinat, Fisch, Nudeln. Die Nudeln so al dente dass außen hart und innen kalt. Der Fisch kein Fisch, und Spinat esse ich eh nicht. Ich darbe also.
Folglich geht es am Abend nach Strausberg zum Plus, einkaufen. Im Anschluss Siesta auf einem Spielplatz, einen Teil der gekauften Getränke genüsslich vernichten.
Irgendjemand hat eine Packung Mentos auf dem Sandboden verteilt. Halb mit Sand zugeklebt, halb mit irgendetwas undefinierbaren, durch die Sonne ein bisschen angeschmolzen, mit andern Worten klebrig wie sau. Die Gebote steigen auf 2€, und schließlich nehme ich mir eins, puste einmal ohne Erfolg den Sand ab, schnipse es verdammt cool in die Luft, und fange es mit meinem Mund. Es knirscht, ich verfluche den Tag weil ich Mentos in egal welcher Form einfach nicht mag und schaffe es irgendwann den Klumpen zu schlucken. Ship ship! Sold für den Tag um 22% gesteigert. Und Folgen hatte das Ganze auch nicht.
Leider plagten mich dann irgendann Kopfschmerzen, was irgendwie mal total kacke war. Aber nuja.

Mi, 22.7.09
Ich habe es tatsächlich geschafft mir auf der Hindernisbahn einen Muskelkater zu holen, welcher mich allerdings am Abend nicht vom Krieg der Gummibärchen fernhält. Es galt eine Tüte zu vernichten, zu 100% habe ich es nicht erledigt, zwischendurch konnte ich ein paar Kameraden welche aufzwingen.

Do, 23.7.09
Der praktische Teil der SanAusbildung steht an. Verbände binden, Herzlungenmassage, behelfsmäßige Tragen bauen, Schienen für Arme und Beine, das SanAuto und Tragearten stehen auf dem Plan. Kurz bevor es zu den Tragearten geht regnet es. Meeega guter Regen. Richtig feste, richtig viel. Nässeschutz ausgepackt, reingestellt. Ein Traum. War aber nur ein Platzregen, pünktlich zum Stationswechsel hört es auf und wir können starten. In 2er Teams, immer Wettrennen. Mein Kamerad und ich gewinnen alles, ship. Von Huckepack über die „Braut-über-die-Schwelle-tragen“-Trageweise bis zum robben wie ein Krebs im Dreck, alles ist dabei. Und wir sind nachher die reinsten Schlammsoldaten.
Trotz des Schlamms ist unser donnerstäglicher Großputz zufrieden stellend, und ich gönne mir eine halbe Kasernenrunde joggen + dehnen.

Fr, 24.7.09
Ich packe meine Koffer nach neuer Strategie, damit ich ja früh verschwinden kann. Der SanTest war Murx in meinen Augen, aber hey, dafür habe ich ja nicht gelernt :P Anschließend gab es eine mittelprächtige Runde MilFit, und nach dieser bzw. dem darauf folgenden Duschen durften wir auch schon gehen.
Brag: Waffen & Schießausbildungstest bestanden. Yeah!

Mo, 27.709
Es geht über die richtige Hindernisbahn im Wald, ein durchaus anderes Kaliber (inkl. lange Gleiten…) und den Rest des Tages praktizieren wir Formaldienst um für die Battallionsübergabe zu üben.

Di, 28.7.09
Waffen & Schießausbildung again, in einer Station geht es in das Schießkino, ein Simulator in dem man alle Waffen schießen kann. Das Ding macht Hammerlaune, ich bestehe alle Übungen beim ersten Mal, und darf sogar eine Extraübung schießen. Dabei gilt es kleine Männeken auszuschalten die sich wehrhaft zeigen. Ich in alter Zockermanier ziele auf die Köpfe, soll ich nicht, ich sei kein Scharfschütze. Flieger müssen dahin zielen wo am meisten Fläche ist, also ab in den Rumpf wenns denn geht. Tut es nicht, einem verpasse ich daraufhin einen Eggshot um mich dann doch an die Vorgabe zu halten.
Danach reinigen wir unsere richtigen Waffen, und weil die Ausbilder Langeweile bzw. keinen Plan haben wird unser Gruß abgefragt. Man dackelt also vor einen Raum, klopft an, öffnet die Tür, schließt sie, sieht 5 Ausbilder da sitzen, grüßt den gezeigten Dienstgrad wie befohlen, beantwortet ein paar Fragen zu Ausbildungsthemen, meldet sich ab, und schickt den nächsten rein. Buja.
Abends laufe ich etwas weiter zu einem Norma, dort gibt es Apelwasser, yeah! Bepackt mit 10 Kilo geht es dann den auf einmal lang erscheinenden Weg zurück, und am Ende bin ich dann doch ein bisschen kaputt.

Mi, 29.7.09
Man schickt uns Fremde, die uns über Laufbahnmöglichkeiten informieren. Wir proben die Übergabe des Battalions. Wir lassen uns weiter Honig um den Mund schmieren. Die richtige Übergabe findet statt, wir stehen in der Sonne und hören Gefasel. Danach etwas Sport, putzen – Dientschluss. Manko: Um 21:50 haben wir mit leerem Mülleimer vor der Stube zu stehen, abmelden. Nach 17 Minuten kommt dann auch mal einer, und ich kann endlich pennen gehen.
Sidenote: Beim morgendlichen Zähneputzen hauts mir eine Füllung aus dem Zahn, tut aber nicht weh.

Do, 30.7.09
Ich habe mal wieder Nasenbluten, überlebe es aber. Thema des Tages: Waffen & Schießausbildung mit Drill. Jeder Fehler bedeutet eine sportliche Bestrafung, and for heavens sake! Ich packe es mich zu konzentrieren, ein anderer Kamerad leider nicht, und so rennen wir einige Male in der Hitze durch die Gegend, machen push ups oder sonst was. Bleh.
Dann Duschen, Sportanzug -> Bluuut. Die Gruppen sollen bestimmt werden. Hell yeah, da läuft eine verdammt süße Zivilistin rum :o Der Soldat an sich freut sich darüber, lässt sich in die Knochenmarkspenderdatei aufnehmen und bekommt Gummibärchen für die Qualen. Ich bekomme keine, erfahre aber dass sogar im Penis Venen zur Blutabnahme dienen können. Danke für die Info!
Das Abendbrot ist ein Highlight: Chicken Nuggets + Backofen Frites. Rockt. Geputzt wird gechillt, der UvD ist locker drauf und lässt uns sofort in den Dienstschluss wegtreten – „HURRA!“

Mittwoch, 14. Oktober 2009

AGA, 6.7.-16.7.2009

Es geht weiter! Nachdem ich (obwohl die Stille hier anderes vermuten lässt) die AGA zu Ende gebracht habe, habe ich Zeit all meine Notizen zu verwerten und der Allgemeinheit zu präsentieren. Zu meiner neuen Arbeitsstelle dann später, und auch gleich die Begründung warum eigentlich doch nicht.

Mo,6.7.09
Die erste richtige Woche beginnt. Sie beginnt in der Stube, mit der Stube. Das wochenendhafte Aussehen wird rausgekehrt, und schließlich darf man sich dort wieder soldatisch fühlen. Dann geht’s zum Essen, anschließend wie immer Stärkemeldung. Der Oberstleutnant guckt mal vorbei und schaut sich seine neuen Rekruten an. Merke: Je höher der Rang, desto mehr Pathos + Redeschwall. Anschließend gibt’s Formaldienst. Wir marschieren also fröhlichst durch die Kaserne. Anflüge von Kameradschaft machen sich breit.
Und ehe man sich versieht ist der Tag vorbei. Ich springe noch eben zum Auto, um dann ins Manschaftsheim zu gehen. Jemand hat Geburtstag, also feiern wir!
Sidenote zum marschieren: Ausbilder ruft „Links… zwo…“ und wir dann verdammt euphorisch „ DREI… VIER!!!“. Wann immer uns jemand entgegenkam wurde die Ausbilderstimmt lauter, worauf wir unseren Schlachtruf natürlich noch lauter der Kaserne kund taten. So konnte man uns sogar begeistern, und die Tatsache dass manche irgendwie nicht immer mitkamen und ab und an ein verzweifeltes „DREI!“ durch die Gassen hallte macht die Sache nicht schlechter.

Di,7.7.09
Wir haben Zeit beim Frühstück! Ein Festmahl wird es dadurch zwar nicht, aber hey, die Sensorik nimmt auf einmal etwas wahr!
Stubendurchgang: Spind sowie Bett sind in Ordnung, ich bin ja sooo stolz. Und vor lauter Freude stellen uns die Ausbilder einfach mal draußen in die Sonne. Und wir stehen … stehen … 30 Minuten lang. „So, das war jetzt mal eine halbe Stunde damit ihr schon mal für das Gelöbnis üben könnt“ – Fuck you Gelöbnis.
Leider habe ich zu keinem Moment im Stillgestanden Gelegenheit gehabt meine Gedanken aufzuschreiben. Irgendwie bin ich in der ganzen AGA nicht dazu gekommen, könnte daran liegen dass vorne ein HB-Männchen steht was andauernd anmerkt:“ HAND AUSM GESICHT! UND WENN DA NE BIENE SITZT, SCHEIßEGAL!!!“.
Dennoch wird’s nach dem Report den ein oder anderen Gedankengang in diesem Blog geben, stay tuned ;)
Abends geht’s dann ausnahmsweise mal in das Manschaftsheim, Pommes essen. Und wenn man für den Moment den Preis ignoriert kann man dort sogar gut essen. Satt werden fällt allerdings schwer. Jedenfalls, wenn man etwas von seinem Sold behalten will. Noch schwerer wird es dann, wenn wieder jemand Geburtstag hat, aber immerhin bekommt man dann ein Bierchen ausgegeben (kostet die Person dann schon mal einen Kasten wenn genug von dem Burzeltag erfahren haben ;) ).

Mi,8.7.09
Ich penne weg! Oh noes. Doof Unterricht. Eventuell liegt es daran dass wir nur gefühlte 3 Minuten Zeit für unser Frühstück hatten. Die einzige Mahlzeit am Tag die immer gut war und für mich als psycho auch irgendwie wichtig. Den Krieg will ich sehen, den man vormittags mit leerem Magen gewinnt! Wir lernen unseren Spieß, einen Stabsfeldwebel, kennen, bekommen vom Rechenführer was über Geld gesagt (Ich bleibe wach), und marschieren im Kompanierahmen in 6er Rotten. Durch den Regen. Yeah! Ich liebe Regen.
Und: Um 18:30 ist Dienstschluss!

Do,9.7.09
Fuck yeah, ich hasse Regen! Ich erwache erkältet. Juckt aber keinen – es steht die truppenärztliche Grunduntersuchung an. Hier kann man noch mal ausgemustert werden. Ich habe es nicht vermocht die Ärzte zu bequatschen, michse habense an jenem Tag eingestellt. Schweine. Allerdings tat es gut mal den Sportanzug anziehen zu dürfen – ist auf jeden Fall eine Erleichterung (und zu dem Zeitpunkt waren meine Taschen noch nicht einmal vollständig befüllt ^^).
Um um zu zeigen wie geil man als eingestellter ist gibt’s erst einmal 2.5 Stunden Formaldienst – natürlich wieder in den Kampfstiefeln. Freude!
Am Abend steht dann der schon lang befohlene Friseurtermin an. 17mm kann die Maschine. Na dann hau rein. „Ists auch wirklich ok so?“ Ja.
Ich erkenne mich nachher im Spiegel noch wieder (das können sogar Elefanten) und bin herrlich Emotionslos. Dann sind die Haare halt ab, beim Sport ist’s so allemal besser, und man höre und staune – der Mopp aufm Kopp wächst sogar nach. Im Gegensatz zu Kresse. Hätte ich also Kresse

Fr,10.7.09
Wir bekommen unsere ABC-Ausrüstung. Tight alter! Und ich meine es so wie es da steht, ich bekomme die Maske kaum auf, und als sie sitzt bekomme ich zwar Luft, bin aber zu sehr mit der Enge beschäftigt um den wohl obligatorischen Darth Vader zu spielen. Ist mir auch zu Mainstream denke ich mir, als ich das halbe Battalion „Luuuke“ röcheln höre.

So,12.7.09
Halb NRW sitzt im Zug. Zumindest erkenne ich verdammt viel Gesichter wieder, verfluche den Tag, um zu rekapitulieren dass doch fast mein ganzer Zug aus NRW kommt. Also der III. Zug, der bei der Bundeswehr. Nicht der Zug in dem ich sitze. Wobei der in dem ich sitze natürlich auch aus NRW kommt. Aber der bleibt da nicht. Wobei, der III. Zug ja auch nicht. Comprende?
In Berlin kapern wir dann eine S-Bahn und erstürmen anschließend die Kaserne. Und. Es. Ist. Alles. Wie. Immer. Verdammt! Als wäre man nie weg gewesen. Im Nachhinein ist diese Vorstellung aber glaube ich besser als eine, in der auf einmal alles anders gewesen wären. „Die Betten? Ne, die stehen da nur die erste Woche, dann braucht die Marine die!“. Ein Hoch auf die Routine also.

Mo,13.7.09
Montag der 13te! Military Fitness steht auf dem Plan. Dass ich nicht lache, scheinbar hat man uns die Babyportion aufgetischt. Easy game.
Ist auch nur Nebensache, denn etwas viel wichtigeres steht an: Unserer Truppenfahne wird ein weiteres Band geschenkt. Unsere Formaldienstkenntnisse werden also zum ersten Mal auf die Probe gestellt. Genauso wie unsere Standfestigkeit. 36 Grad. Einer packt es nicht. Peinlich,peinlich. Bei solch einem Moment darf natürlich unsere Nationalhymne nicht fehlen, und obwohl sie mehr oder weder lustlos dahingerotzt wird überkommt mich ein leichter Anflug von Gänsehaut. Bin halt einer von den ganz harten Soldaten. Anschließend gibt’s Unterricht, der so gut ist dass ich wach bleibe.
Am Abend dann die Stunde der Wahrheit: Poker! Easy game, Cashgame. 0.02/0.05, Stacksizes von 5-200BB, und trotzdem schaffe ich es den Tisch mit Gewinn zu verlassen, wuhuu!

Di,14.7.09
Wir bekommen eine Juniortüte Military Fitness! Wir springen Gummibärebandlike durch den Strausberg Kasernen Forest und suchen Robin in da Hood. Aus Frust ihn nicht zu finden bilden wir einen jungfräulichen Zirkel und praktizieren im Wechsel Liegestütz bzw. SitUps. Zum Schluss gibt’s dann Liegestütz auf 5,3 und 2 Fingern, und wir laufen zum Kompaniegebäude zurück. Die unsportlichen (oder auch die Dicken. Die Fetten. Die Opulenten. Die Bombastischen. Die durch dünn und dünn nicht druchpassen. Die, gegen die ich so an sich nichts habe, mich aber dennoch Frage warum zur Hölle man dann nicht einfach Zivi wird. (Na guuut, Luftwaffe, aber trotzdem… )) kommen irgendwie nicht so recht mit. Nuja.
Am Frühstück kann es diesmal nicht liegen (oder in den Fällen an zu vielen Frühstücken lifetime), denn wir durften als erster rein und hatten dementsprechend viel Zeit.
Danach geht’s zur SanAusbildung. Hell yeah, ich kann Anhand meiner Mitschriften genau sagen wann und wie heftig ich eingeschlafen bin. Zum Glück (?) hat mich mein Nebenmann immer in meine Rippchen geboxt wenn ich mich anschickte Druckstellen auf meiner Stirn zu erzeugen, weil ich Ameisen gezählt habe. Entsprechend schick ist auch mein Foto an jenem Tag für den Truppenausweis geworden :P
Leider war es zu dem Zeitpunkt erst kurz nach Mittag, wir hatten also noch weitere 4 Stunden vor uns. Ich würde euch gerne davon berichten, aber das ist bestimmt geheim oder so. Nein, im Ernst, was ich träume geht euch nichts an.
Abends haben wir uns dann als Putzfrauen verkleidet und unsere neuen Pflichten erfüllt.

Mi,15.7.09
Schießausbildung.
Nachdem ich zuvor länger als sonst im Bett lag – Algengrütze. Den theoretischen Teil erlebe ich unter Halbnarkose, kann mir aber die wichtigsten Sachen trotzdem merken: Das gefährliche Ende ist gefährlich. Ehrlich.
Danach geht es in Gruppen weiter. Jeder bekommt einer Waffe. Eine verdammt echte Waffe. So klein, so harmlos, so leicht, so unscheinbar. Eine Pistole – ein Gewehr. psycho hat Respekt.
Und zu diesem Zeitpunkt ist das erste schießen noch seeehr weit weg. Und das mit scharfer Munition ist nicht näher.
Gut so, denke ich mir. Nicht nur unser Oberfeldwebel hätte ins Soldatengras gebissen, auch diverse Füße hätten es versuchen dürfen, so wie die anderen Helden mit dem Gewehr durch die Gegend gezielt haben.
Sidenote: Auseinander gebaut sieht die Pistole nur noch halb so bedrohlich aus ;) und das Gewehr dient dann nur noch als besserer Schlagkolben. Dann lieber „Klappspaten frei!“

Do,16.7.09
Die Waffen bleiben präsent. G36, P8 – putzen! Und putzen, putzen, putzen.
Sidenote: Das Gewehr G36 5.56 * 45mm kann man laut Bedienungsanleitung sogar in eine Geschirrspülmaschine packen. Allerdings hat man uns dafür keine Einweisung gegeben, also durften wir mit Händen, Lappen, Öl und Bürsten gegen Schmutz kämpfen. Juche.

Mit dem beeindruckten psycho also lasse ich euch erstmal da wo ihr euch jetzt befindet, damit es hier nicht alles zu viel. WORD zeigt mir 4 Seiten an, ich hoffe es liest sich schneller als ich zum tippen brauche ;)
Um euch in Zukunft (Sonntag, nehme ich an. Und dann wieder Mittwoch, und dann wieder Sonntag – comprende?) möglichst wenig Zeit zu stehlen Kritiken und derlei in die Comments, dann bemühe ich mich die Mängel vorm nächsten Teilabschnitt abzustellen. (Auch wenn schon alles abgetippt ist, aber das kann euch ja egal sein :D )
Achja, wenn ihr den Rest komplett in einem Eintrag haben wollt könnt ihr das auch sagen, ich bin ja quasi flexibel in dem was ich tue.
Bis dahin,
Flieger psycho

Samstag, 1. August 2009

Tripreport:Allgemeine Grundausbildung (AGA)

Prolog

Wie jeder der möchte dem Titel entnehmen kann wird sich dieser Report mit dem Trip von mir bei der Bundeswehr befassen. Dabei werde ich als Protagonist vorerst die ersten 3 Monate Tag für Tag beschreiben - wie ich danach weitermache überlege ich mir noch. Des Weiteren überlege ich ja auch noch ob ich nach den 9 Monaten noch Lust auf mehr habe. Aber dazu später mehr.

Mi,1.7.09

Tag 1. Mit Hilfe alter Haudegen und diversen Internetberichten glaube ich vorbereitet zu sein und meinen Koffer sinnvoll gepackt zu haben. Umhängetasche mit reichlich Verpflegung ist auch am Mann, meiner Fahrt steht also nichts mehr im Wege. Also geht es früh morgens aus dem Haus, in das Auto – Attacke. Aus dem Dorf raus, verfahren (NAVI Anne Backe, ganz ellich, wer baut son scheiß? Lotst mich erstmal in die Pampa rein. Danke. Aber so etwas plant der vorrausschauende Fahrer natürlich mit ein. Also drehe ich als es nicht mehr weiter geht um, fahre die Strecke so wie sie sie sein soll – und als wäre nichts gewesen springt die Route im NAVI sonst wohin, ist aber richtig und führt mich Richtung Autobahn. Wenn das kein Grund zur Freude ist.
Ich lasse also meinen 60PS-Starken Fiesta aufheulen und hau mal richtig auf die Kacke. Und kaum vergehen 5 Stunden gelange ich langsam aber sicher dorthin wo ich eigentlich gar nicht hinwill. Glaube ich.
Barnim Kaserne, Strausberg. Rechts ab, kleines Stück fahren – ein Schlaglochparkplatz und eine geschlossene Schranke. Ich fahre den Weg des geringsten Widerstandes und fahre Jeep-a-like durch den Schlamm, parke(beobachtet von anderen Ankömmlingen) packe mürrisch meine Tasche aus und schlurfe zu der Schranke. Möglichst cool geht es an die dort stehenden Wachen: „Ähm. Verzeihung, ich will nicht stören, ich habe hier so einen Einberufungsbescheid, wo, ähm, wo muss ich hin?“ Reinfahren, hier längs, dort rüber, da lang, und dann links parken. Alles klar Herr Kommissar. Ich steige wieder in meinen Wagen, fahre zur Schranke, zeige der Wache meine Einberufungsbescheid – Schranke wird hochgefahren.
Ich fahre an, lange Gerade voraus. Sehe nichts böses ahnend 4 Leutchen im Gebüsch hocken. Ich fahre geschmeidig drauf zu, T-Kreuzung. „Kacke, wo muss ich noch mal lang?“ Die lustigen Leutchen fuchteln auf einmal. „Geiel, Parkeinweise!“
Was zur? Ich verstehe die Gebärdensprache nicht und fahre schreiend im Kreis. Fenster runterkurbeln: „Fahren Sie mal bitter hier ran!“ Ich brauche wieder eine Weile, aber schließlich schaffe ich es vor einem der lustigen Kerlchen zu parken. Hat Feldjäger auf seinem Arm stehen.
„Sie sind zu schnell gefahren, wir haben sie gelasert!“ Geiel, Augen für umsonst repariert! Oh, wait. Wat? 3km/h werden mir angekreidet. Geiler Scheiß. Das habe ich davon benzinsparend fahren zu wollen. Schön bei 30 vom 2ten in den 3ten Gang – nee, is nich. Scheinbar betrügt mich mein Tacho. Naja. „Melden Sie es am besten sofort ihrem Zugführer, der bekommt es eh heraus.“ Ay Ay Kapitän.
Aber immerhin schaffe ich es diesmal der Wegbeschreibung zum Parkplatz zu folgen. Phew. Ich stehe, nehme abermals meine Sachen und laufe dahin wo sich schon ein kleiner Mob gebildet hat. Ratlosigkeit. Wohin soll denn die Reise gehen? Ein Schild zeigt in alle Richtungen. „13te Kompanie LwAusRg“ Macht Sinn. Verdammte Hacke, groooßes Gelände. Hier und da ein Gebäude, schließlich eines wo 13te dran steht. Hurra! Wir stellen uns also davor, wird schon einer kommen. Wir sind auch alle pünktlich, vor 14:00 musste man da sein (da kamen aber auch später noch welche, und die leben auch noch). Wir stehen also, schicken einen rein. „Alle mir folgen.“ Wir werden 5mal eine Treppe hoch, eine andere runter, irgendwo durch einen Gang und sonst wohin geschickt. Schließlich schaffen wir es vor dem richtigen Raum zu sein. „DIE TASCHEN HIER ORDENTLICH IN DIE MARKIERUNG!“ Wow. Es geht los. Ordentlich ist es immer noch nicht, aber in der Markierung. „IN REIHE AUFSTELLEN UND DARAUF WARTEN DASS SIE REINGERUFEN WERDEN!“. Truppe wird etwas ruhiger, wir bilden eine Schlange. „TÜREN FREIHALTEN!“ Macht Sinn. Der nächste – das bin ich.
Essenskarte, immer am Mann führen, ein paar Zettel ausfüllen, unterschreiben, vorne abgeben – fertig. Weiter zur nächsten Station. Da steht ein Tisch auf dem Flur. Sitzen n paar Leute hinter. „Mir wurd gesagt ich soll mich hier“ „KÖNNEN SIE NICHT LESEN?!“ Huch, da steht n Schild. 1 Ruhe, 2 an der Linie stellen, 3 auf Aufruf warten usw. Heilige Kuh. Gleich mal alles falsch gemacht, Kopf noch dran, also noch mal. Klappt schon besser, ich bekomme eine erste Einweisung. Jo, okay, alles klar digger, ja, hier, ja sir – alles Anne Backe. Ab sofort „Jawohl, Herr Dienstgrad.“ Verstanden? Jawohl. Herr äääh... Hauptgefreiter!
Ich darf einen Block, Bleistift, Kugelschreiber, Radiergummi, Anspitzer und Soldatengesetzbuch aufnehmen und auf meine Stube gehen. Bett machen. Yay, me is teh first. 2 Hochbetten, ich stehe davor – unten rechts. Fensternah, 2 Steckdosen in Griffweite, klingt gut. Also Bett machen. Laken – faltenfrei. Braucht seine Zeit, aber ich bekomme es hin. Bettdecke und Kopfkissen – dauert auch ein wenig – läuft. Ich betrachte stolz mein Werk, als 2 Bundeswehrleute reinkommen. Tagesdecke noch drauf! Jawohl. Kacke, das ist doof. Irgendwann ist diese halbwegs faltenfrei über dem Rest. Denke ich. Leute kommen zurück: Nachbessern! Falten weg! Ich also wieder ran, falten weg. Was steht da drauf? DNUB??? Wattenscheid. Wieder kommt einer. Können sie den Schriftzug darauf lesen? Öhm; nö. Also, richtig rum machen. >>Eeey! Sach mir das bloß nicht vorher du Held der Arbeit!!!<< „Jawohl.“
Nach und nach trudeln noch 2 weitere Kameraden ein und die Party kann steigen. Bei ca. 30° im Schatten. Meine Herren, Sauna is nix dagegen. Irgendwann schließlich liege ich in meinem faltenfreien Bett, denke noch „Ich kauf Antifaltencreme“, und schlafe ein.

Do,2.7.09

4:30 Uhr. „Dritter Zug, Auuufstehen!“ Kaum ist dieser Spruch 10mal erklungen werde auch ich wach, und stehe auf. Waaas?! So früh?!
Heute sei einkleiden. Einkleiden Anne Backe, gib mir Schlaf! Es gibt frühstück, wir steigen in einen Bus und tuckern los. Wir kommen an, und stellen uns erstmal brav in der verdammt heiße Mittagssonne. Ich gucke auf die Uhr. Groooßer Fehler. 8:00. Sick. Es ist keine einzige Wolke zu sehen, wir stehen unter blauem Himmel. Der Oberfeldwebel zeigt Gnade und lässt uns in den Schatten gehen. Wuhuu! Einkleiden im Zeitraffen: Wir warten ewig, warten in einer großen Halle weiter, werden vermessen, bekommen anhand der Messung Kleidung, packen die in einen Wagen, schieben den munter durch die Gegend, gelangen zum Ende, stopfen alles in die 3 Taschen die dabei sind (Kampftratasche, Kampfrucksack und Seesack), verladen das Zeug in schicke Brummer, helfen anderen beim Stopfen, warten, und tuckern zurück.
Vollzähligkeitsappel. Wir breiten unsere Zeltplane aus und schmeißen alle Sachen drauf. Sachen werden aufgerufen, hochgehalten und in den Spind gepackt. Ich hab alles. Noch. Wir haben ca. kurz vor knapp, 20 Minuten Zeit zum Duschen. 37 Mann also stürmen auf 4 Duschköpfe zu. Läuft. Ich noch lange Haare bekomm kaum Wasser dran, mickriger Strahl. Aber in der Hektik und dem Stress vergesse ich sogar daran zu denken dass ich eigentlich kein Bock hab Ärsche zu sehen. Und jetzt wo man es einmal überlebt hat ohne Blind zu werden kanns ja nicht mehr schlimmer werden. Phobiebehandlung durch Stress also. Macht Sinn. Ich gehe schlafen.

Fr,3.7.09

Unterricht steht an. Objektschutz, Laufbahngruppen – alles was das Herz begehrt. Ich schlafe fast ein.

Sa, 4.7.09

Nein, kein Dienstschluss. Erst gegen Nachmittag, daher lohnt sich eine Fahrt nach Hause für mich nicht. Wer wollte konnte aber schon nach 3 Tagen wieder kurz abhauen, musste es nur am 1.7 so sagen.
„Es hat sich langsam angeschlichen das Gefühl, die Wärme ist gewichen es ist kühl.“ Pünktlich zum Wochenende verschwindet die Hitze, es wird halbwegs erträglich. Spindordnung steht auf den Plan. Wattenscheid, ganz ellich. Das Ganze dauert ewig und noch viel weiter, ist aber irgendwann geschafft. Jedenfalls mit dem was wir bereits an Ausrüstung haben. Klappspaten hammwa nich, gibt’s zu wenige von, ABC-Masken gibt’s erst noch. Jawohl.
Wir stehen mittlerweile alle in Grün rum. Flecktarn hat was. Was schwarzes, grünes, orangenes, und gelbgrünes. Mit 2 Jahren konnte ich besser Kleckse an die Wand malen, aber egal. Sitzt, passt wackelt und hat Luft, nur leider zerfetzts meine Hüfte. Scheißgürtel. Tage später die Rettung: Hosenträger. (Was auch helfen soll: Vaseline. Aber das habt ihr nicht von mir) Ein Traum, nix scheuert mehr, aber diese Erkenntnis erlange ich erst viel später. Zurück zum Thema: Spind ist soweit gepackt, irgendwann geht’s zur Mittagsverpflegung. SHIT! Ich habe meine Essenskarte verloren. Wahlweise im Gelände oder einfach auf dem Tablett liegen lassen. Kacka. Bis ich eine neue bekomme laufe ich einfach unauffällig an den Schranken vorbei. Safe.
Abendbrot steht an. Aber wir gehen nicht runten rein, fressen – es geht ins Mannschaftsheim! Geiler Scheiß, ist ne coole Bude mit Bier drin, Pommesbudenfunktion, Billardtisch und Fernseher. Wahlweise auch Internet, aber kostet. Rechtsradikale Sachen sind gesperrt, Tittenseiten nicht. Hab ich gehört.
Prompt sieht man sich dort auch nach Dienstschluss und trinkt sich erstmal ein paar Bier. Ein Traum. Die 900 Mann verwandeln sich in eine Notgeile MännerWG und sehen sich „Sommermädchen 2009“ an. Wattenscheid.

So,5.7.09

Ich bin träge. Ich kann es sein. Ich habe Zeit beim Frühstück, schaffe es alleine zu Duschen, lese ein wenig, gehe Joggen+dehnen während andere Volleyball spielen, und – habe an diesem Tag 3mal Nasebluten. Muh, darauf war ich nicht vorbereitet. Aber gekonnt überlebe ich und lege mich frühzeitig ins Bett, im Schlaf merke ich nichts denke ich mir.